Der Ratinger Schachklub feiert dieses Jahr sein 75-jähriges Jubiläum. Ich freute mich sehr, als mich der 1. Vorsitzende, Dirk Liedtke, im letzten Jahr darauf ansprach und mich im Zuge der Feierlichkeiten zu einem Simultan einlud. Am 05. Juli war es soweit und es sollten harte Duelle auf mich warten.

Ich fuhr am Samstag Morgen in Hamburg los und kam, das ist bei mir fast immer der Fall, pünktlich mit der Bahn in Düsseldorf an. Dort wartete Dirk auf mich und wir fuhren gemeinsam weiter nach Ratingen. Wir nutzten die Zeit, um über die „gute alte Zeit“ und über gemeinsame Bekanntschaften zu quatschen. Mit Bernard Verfürden (Foto unten) trafen wir eine davon direkt beim der Ankunft im Vereinsheim, sowie zahlreiche Gäste, die nur mal so reinschauen wollten.

Ohne lange Vorreden ging es dann auch los mit dem Simultan gegen 20 Gegner. Bei zwei der Bretter kamen später neue Gegner hinzu, so dass es am Ende 22 Partien wurden. Es freute mich sehr, dass auch zwei Frauen und zwei Kinder dabei waren. Nach den ersten Runden im Kreis merkte ich schnell, dass ich es nicht mit Anfängern zu tun habe. Viele der Spieler waren gestandene Vereinsspieler, die 1. Mannschaft des SC Ratingen spielt in der NRW-Klasse, mit einer DWZ knapp unter 2000, so dass schnell klar wurde, dass ich um meine Punkte hart arbeiten werden muss.

An vielen Brettern gingen meine Gegner sehr aggressiv zu Werke. Das ist eine gute Wahl in einem Simultan, da man auch als Titelträger mit vielen taktischen Stellungen irgendwann durcheinandergerät mit den Varianten. Z.B. wählte Christopher Welling (DWZ 1940) das Stafford-Gambit. Eigentlich kenne ich die Varianten ganz gut, aber traute mich nicht und lehnte das Bauernopfer ab. Trotzdem ging es sehr wild zur Sache und ich hatte ordentlich Glück, dass ich das Mittelspiel mit einem Mehrbauern überstand. Im Endspiel war ich aber nicht in der Lage, diesen zu verwerten, so dass wir den Punkt teilten.

Eine weitere Partie, die mir in Erinnerung blieb, ist die gegen Michael Bobovnik (DWZ 1686). Es war eine Variante aus dem 3…Dd6-Skandinavier, die ich sehr intensiv für meinen 1.e4-Kurs analysiert hatte. Eigentlich hat Weiß entscheidenden Vorteil, doch irgendwann ließ mich meine Erinnerung im Stich und es wurde extrem wild mit einem viel zu offenen eigenen König, was in einem Simultan immer problematisch ist. Nach einer langen Schlacht mit vielen taktischen Motiven konnte ich meinen Gegner allerdings matt setzen.

Der Stonewall-Aufbau in der Holländischen Verteidigung wird gemeinhin unterschätzt, vermutlich auch, weil es auf Topniveau sehr selten gespielt wird. Gegen Claudia Bröker eröffnete ich mit 1.d4 und sie setzte mir plötzlich diesen Aufbau vor. Ich kenne ein wenig die Pläne mit beiden Seiten, aber so richtig wohl fühlte ich mich nicht in meiner Haut. Zuerst versuchte sie mich auf typische Weise am Königsflügel zu attackieren. Ich wehrte das ab und hatte vermutlich im Mittelspiel strategischen Vorteil nach dem Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer. Danach verlagerte sie aber das Spiel auf den Damenflügel und drang im Endspiel mit einem der Türme in meine Stellung ein. Sie griff den König an und ich konnte der Zugwiederholung nicht vernünftig ausweichen, also remis.

Für meine YouTube-Analyse wählte ich dieses Mal die Partie gegen Patrick Schöwe (DWZ 1935). Auch hier stand das Brett in Flammen. Am Ende dachte ich, dass ich verliere, aber dann fand ich den einzigen Zug, der mich nicht nur rettet, sondern die Partie sogar gewinnt.

Nachdem ich bei den letzten Simultan-Veranstaltungen mir immer wieder sehr leichte Fehler leistete, konzentrierte ich mich dieses Mal besonders und verlor keine Partie. Ich gewann 16 Partien, gab aber auch sechs Remis ab. Ich bedanke mich beim Ratinger Schachklub für die Einladung und die Gastfreundlichkeit. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch alte Bekannte wiederzutreffen.

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